Emma Donoghue: Room

Emma Donoghue: Room
Emma Donoghue: Room

Die Geschichte von Josef Fritzl, der seine eigene Tochter jahrelang gefangen hielt und mit ihr mehrere Kinder zeugte hat wohl bei jedem Entsetzen hervorgerufen. Seitdem sind weltweit noch mehr solcher Fälle aufgedeckter worden (z. B. in Brasilien).

Der Roman „Room“ (so weit ich weiß noch nicht auf deutsch erschienen) von Emma Donoghue erzählt eine ganz ähnliche Geschichte. Der Peiniger ist zwar ein Fremder, aber das Verbrechen ist das gleiche. Eine junge Frau wird entführt und mehrere Jahre gefangen gehalten. Während dieser Zeit wird sie regelmäßig vergewaltigt und auch schwanger.

Was das Buch so besonders macht ist die Erzählperspektive. Die Geschichte ist aus der Sicht des in dem „Raum“ geborenen Jungen Jack erzählt.

Achtung: enthält Spoiler »

Das Buch teilt sich in drei Teiler ein: die Zeit im Raum, die Flucht und die Zeit draußen.

Die Geschichte ist wirklich äußerst spannend geschrieben und die Erzählperspektive macht es noch interessanter, da man sich als Erwachsener in der Regel in die Rolle der entführten Frau hinein versetzt und nicht in die des Kindes.

Wie empfindet so ein Kind sein Leben im Raum? Wie ist die Beziehung zur Mutter und wie kommt es dann in Freiheit zurecht? Empfindet es draußen überhaupt als Freiheit? Und wie entwickelt sich die Mutter-Kind-Beziehung während dieser unterschiedlichen Phasen?

Ich habe dieses Buch wirklich in windeseile gelesen und war zwischen drin tief ergriffen von der Naivität Jacks (des kleinen Jungen) und von den Bemühungen seiner Mutter ihrem Sohn ein Leben in diesem einen Raum zu ermöglichen, das ihn als Kind fördert, die versucht ihren Sohn zu schützen und gleichzeitig auf ein Leben „draußen“ vorzubereiten.

Mein Tipp: ein Wochenende frei halten, Tempos bereit legen und lesen!

Alan Bennett: Die souveräne Leserin

Die souveräne Leserin

Die Queen taucht ein in die Welt der Literatur und vernachlässigt darüber sogar Ihre Verpflichtungen: fängt an unpünktlich zu kommen, liest unter der Fensterkante des Autos wenn Sie Ihren Untertanen huldvoll winkt, bringt diese, aber auch Staatsgäste beim Smalltalk in Verlegenheit, weil Sie sich nicht mehr nach der Anreise des Gesprächspartners erkundigt, sondern nach der momentanen Lektüre.

Die humorvoll, aber auch durchaus auch ernste Erzählung von Alan Bennett wurde mir gestern von meinem lokalen Buchhändler empfohlen. Etwas gestresst hatte ich mich auf den Weg gemacht um bei schönen Sonnenschein einen Kaffee zu trinken und etwas auszuspannen. Auf dem Weg bemerkte ich, dass ich vergessen hatte mein Buch mitzunehmen, eine Tageszeitung wollte ich aber auch nicht lesen, also noch schnell in den Buchladen. Der Wunsch: etwas kurzweiliges zum Kaffee. Die Empfehlung Alan Bennett: Die souveräne Leserin. Und was soll ich sagen? Ein Volltreffer. Zwei Milchkaffee später und deutlich entspannter hatte ich das Buch ausgelesen und ich muss sagen es hat sich gelohnt. Noch jetzt komme ich ins Schmunzeln und Nachdenken über die wirklich sehr unterhaltsame Beschreibung der Queen, die mit dem Lesen anfängt.

Der Reiz des Lesens lag in seiner Indifferenz: Literatur hatte etwas Erhabenes. Büchern war es egal, wer sie las oder ob sie überhaupt gelesen wurden. Vor ihnen waren alle Leser gleich, auch sie selbst. Die Literatur,, dachte sie, ist ein Commonwealth; Bücher darin die Republiken.